Maulhelden Tag 3 – Einfach mal die Hosen runter lassen

Weiter geht es, der dritte Tag ist angebrochen und die Vögel zwitschern. Ganz so munter wie die Vögel sind wir noch nicht als der Wecker klingelt – aber motiviert. Und so geht sie los, die wilde Bahnfahrt.

Da wir ab heute keine Workshops mehr haben, sondern nur noch Stücke, steigen wir ab jetzt immer direkt in die Stückbesprechung ein. Am Morgen stand Prometheus von der Marienschule Münster an. Prometheus kennen einige vielleicht als den Typen, der die r verärgerte und das Feuer zu den Menschen brachte. Zugegebenermaßen hatten wir auch das erwartet. Es gibt auch noch Goethes Prometheus, auch das hätte man erwarten können, auch wenn wir uns zugegebenermaßen damit nicht auskennen.

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Schon als wir den Saal betraten erwartete uns im wahrsten Sinne des Wortes ein diffuses Bild, denn die Bühne und der gesamte Saal waren eingenebelt. Dazu blaues Licht und eine dubiose Musik, so konnte sie beginnen, die erste Vorführung des Tages. Das Licht ging aus und es blieb das ganze Stück über sehr düster. Dann begannen sich die Spielerinnen zu bewegen, zunächst mit immer stärker werdenden Atemzügen, man sich begann aus der Mitte heraus zu lösen. Die Spielerinnen waren alle in eine Art Kokon gepackt, aus dem sie sich immer mehr herauswindeten, dann erlernten Sie das Brabbeln und langsam das Laufen. Ein Evolutionsprozess, der leider eine gewisse Länge hatte. Bemerkenswert war es jedoch, dass man zunächst komplett auf Text verzichtete und nur auf Laute setze, egal ob ein Brabbeln eines Babys oder ein „Äh“ und „Oh“ für Überraschung und Abneigung.

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Dieser Evolutionsprozess zog sich dann durch das ganze Stück, hinzu kam die Wirkung des Lichts, das die Spielerinnen zunächst zu beruhigen und zu überraschen schien. War das Licht da, war man glücklich, war das Licht weg wurde man hysterisch, was auch in einem langen durcheinander mit viel Geschrei mehr als deutlich wurde. Bemerkenswert war der einfache Einsatz von Mitteln, denn im Laufe des Stückes wurden Schreibtischlampen hinzugezogen an denen die Spielerinnen sich erfreuten, sich wärmten, das Licht versuchten einzufangen oder einfach nur glücklich waren. Doch dann nahm ihnen einer alle Lichter weg, man ging ein, obwohl man doch aus der Dunkelheit kam. Das Licht ist zu einem Lebenselixier geworden, zu etwas das man sogar anbetetet, was an einem sehr ausdrucksstarken Tanz im Kreis dargestellt wurde, der schon fast an eine Sekte oder eine Hexenfeier in der Walpurgisnacht erinnerte.

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Wie oben erwähnt lebte das Stück zunächst ohne Text, nur eine Stimme aus dem Off trug einige Auszüge aus Goethes Prometheus vor. Die Stimme kam jedoch sehr überraschend und war gleich dominant, was etwas die Gruppe als Ganzes niedermachte, denn bisher gewann der Zuschauer den Eindruck, dass die Gruppe autark lebt und sich nur nach dem Licht sehnt und sich von diesem leiten lässt. Später gab es auch noch einige Wörter, bzw. kurze Sätze, doch diese waren schon fast störend, denn bis dahin kam das Stück auch gut ohne Text aus.

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Nun, was wollte uns das Stück sagen? Um ehrlich zu sein, das wissen wir nicht ganz genau. Auch im Nachgespielt wurde lange über einige Inhalte und Darstellungen des Stücks intensiv diskutiert. Das soll nicht heißen, dass die Darstellung als solches schlecht gewesen wäre, doch leider sind viele Aspekte im Dunkeln geblieben. Als praktischen Teil im Nachgespielt haben wir uns dem tänzerischen etwas angenähert. In einer sehr großen Gruppe übten wir mit ein wenig Musik flüssige Übergänge zu kreieren und Bewegungen zu improvisieren und nachzuahmen.

Fazit: Prometheus hatte seine schönen Momente, doch insgesamt hätten wir uns etwas mehr Dynamik gewünscht. Dennoch war besonders das Zusammenspiel von Musik, und visuellen Effekten, wie Licht und Nebel sehr schön anzusehen. Denn wie sagte Goethe schon: „Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten.“ und in genau diesem Schatten hat die Gruppe sehr spannende Akzente gesetzt.

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