Ein Horrorkabinett mitten in Köln – Die Freakademy lädt zum Gruseln und Fürchten ein

Bilder: Nicolas Folz

Es ist September, noch etwas Zeit bis Halloween, doch an der Theaterakademie (TAK) Köln, konnte man schon jetzt ein bisschen ins Gruseln kommen, im sogenannten „Mind Fuck Maze“, Kölns erstem Gruselkabinett.

„Die Welt ist ein Irrenhaus und hier ist die Zentrale“, mit diesem einladenden Text versuchte die Gruppe um Regisseur Nicolas Folz (Drittsemester der TAK Köln) Horrorfans in die TAK zu locken. Da ließen wir uns nicht zweimal bitten, lieben wir es doch uns etwas zu gruseln.  Und so zogen wir zur Premiere am 22. September los.

Wir stehen draußen in einer recht milden Septembernacht vor der TAK Köln. Drinnen hört man Türen knallen und Schreie, dunkelrotes Licht scheint durch die Fenster. Der erste Eindruck stimmt schon mal. Dann geht die Tür auf, wir werden hineingebeten, an die Kasse zu zwei durchgedrehten Ballerinen. Scheinbar von Stimmungsschwankungen begleitet nehmen sie das Geld der Kabinettbesucher entgegen. Dann hieß es warten. Leider müssen wir zugeben, dass wir mit rund 60 Minuten sehr lange gewartet haben. Anfangs erhält man Tickets mit der Beschriftung „1“ und „2“, abwechselnd werden dann je vier Personen in das Kabinett geführt. Allerdings galt die Devise „First come, first serve“, wer also eisern den Platz an der Tür verteidigte, war eben schneller dran egal, ob andere eventuell schon länger warteten. Doch das sei nur eine organisatorische Sache, nun wollen wir uns auf den eigentlichen Teil konzentrieren.

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Zunächst eines vorweg: in Zeiten moderner Medien, von Horrorfilmen, die nur so vor Special Effects triefen, ist es natürlich schwierig im Theater eine solche Umgebung zu schaffen, in der sich der Zuschauer auch durchweg gruselt. Kameraeinstellungen wie im Film gibt es nicht, hier ist alles live. Doch gerade das macht das Horrorkabinett besonders. Schon bevor es losging und wir vor dem ersten Raum warteten schlichen immer wieder Gestalten über den Flur. Dabei wurde man angestarrt als sei man selbst eine seltsame Gestalt. Einerseits weiß man natürlich, dass das junge Erwachsene sind, die eine Rolle spielen, andererseits war man dennoch etwas beunruhigt, da einige eine solche Spannung aufbauten, dass man tatsächlich dachte, man würde gleich in den nächsten Folterkeller gezogen werden. Dann bittet uns eine Krankenschwester in das erste Zimmer.

Wir nehmen Platz, 3D Brillen sollen wir aufsetzen, wir sitzen vor einem großen Spiegel, im Hintergrund ein gefesseltes und geknebeltes Mädchen, Musik setzt ein, das Licht geht aus, wir sitzen im Dunkeln. Der Titelsong von „Alice im Wunderland“ von Regisseur Tim Burton ertönt. Währenddessen wurde die scheinbare gefesselte Alice befreit. Immer wieder tauchen neue Gestalten auf, die durch die Spiegel zu sehen sind, sie haben Ähnlichkeit mit dem Hutmacher oder dem Hasen, allerdings erscheinen sie dabei wenig sympathisch. Was folgt ist eine kleine Jagd nach Alice und eine Tanzperformance, die von vielen Lichteffekten untermalt wird. Durch die 3D Brillen fühlt man sich selbst wie im Wunderland. Immer wieder wird man dabei eingebunden, Alice hält sich am Knie des Zuschauers fest, von hinten streichelt einem jemand über den Rücken. Momente in denen man eine leichte Gänsehaut bekommt. Der Raum hat eine eigene Dynamik, zwar nicht so gruselig, dass er uns schlaflose Nächte bereitet, aber dennoch sehr beeindruckend.

Wir wechseln in den zweiten Raum, in dem wir einem Faden folgen müssen. Wir sind scheinbar in einem Varieté. Licht geht an, eine leicht bekleidete Dame sitzt auf einem Tisch, um den wir herum müssen. Tapfer folgen wir dem Faden und gehen dabei durch den durchaus beeindruckend ausgeschmückten Raum. Schade, dass an einer Stelle die Technik etwas hervorguckt, was die Illusion etwas zerstört. Besonders prägnant ein Schauspieler mit leuchtender Maske, der immer wieder aus verschiedenen Ecken des Varietés erscheint und auch nicht davor zurückschreckt dem Zuschauer sehr nahe zu kommen.

An dieser Stelle ein kleiner Einschub: wer schon mal im Theater war oder gearbeitet hat, der weiß, dass er den Zuschauer wie Porzellan behandeln muss. Vielen ist zu viel Nähe, zu vieles Ansprechen, zu viel Kontakt zu den Schauspielern genau eines: zu viel. Doch in diesem Horrorkabinett werden alles Tabus gebrochen. Ist das gut oder schlecht? Wir fanden es genau gut so, denn Horror lebt nicht nur davon, dass man aus der Ferne jemanden sieht, sondern Horror lebt davon, dass man die Menschen in unangenehme Situationen bringt. Dabei hilft es sehr, dass man in Kleingruppen unterwegs ist, so muss man sich nicht selbst vor einem breiten Publikum schämen. Besucher sollten sich allerdings bewusst darüber sein, dass mit ihnen nicht zimperlich umgegangen wird. Auf der anderen Seite Respekt an die Darstellerinnen und Darsteller, dass sie sich so nah an die Besucher herantrauen.

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Weiter ging unsere Reise in den Keller. Das Ambiente des Kellers ist unschlagbar, es war kalt und der Keller bat eine Kulisse, wie sie aus einem Horrorfilm hätte sein können. Mit Hilfe der richtigen Ausleuchtung und des Schauspiels der Darsteller wurde der Keller zu einem kleinen Spießroutenlauf. Dabei überraschte uns immer wieder ein Clown mit unheimlicher Maske. Spannend auch, dass man den Zuschauer zwingt auf das eine zu schauen und dabei das andere außer Blick zu lassen. So betrachteten wir gespannt einen Alchemisten, von dem wir erwarteten, dass er gleich nach uns packt, doch dann schwingt sich jemand im Schaukelstuhl nach vorne und sorgt so für den eigentlichen Schreck. Besonders hier kam die Dekoration sehr zur Geltung, dabei verließ man sich nicht nur auf Totenköpfe, sondern versuchte durch besonders gruselige Puppen, Masken etc. ein Gruselambiente zu errichten. Der Atem stockte uns als ein Mädchen gefesselt an der Decke, nackt, bzw. leicht bekleidet (so genau konnte man es nicht im Licht erkennen) im Raum stand. Man wollte am liebsten helfen, sie entfesseln und mitnehmen.

Auch hier eine persönliche Meinung: Nacktheit im Theater, gut oder schlecht? Auch hier gibt es verschiedenste Meinungen. Generell finden wir fast immer, dass Nacktheit im Theater nicht unbedingt sein muss, ist es einerseits nicht nur für den Schauspieler/ die Schauspielerin eine Überwindung sich so zu präsentieren, sondern weil es meist beim Zuschauer für Fremdschämmomente sorgt. Doch an dieser Stelle war die Nacktheit bewusst und gut eingesetzt. Dem Zuschauer blieben dank der langen Haare und einer gut gewählten Beleuchtung Details verborgen, dennoch sorgte es für eine Überraschung und einen kurzen Schockmoment. Weiterhin untermalt es die Hilflosigkeit der Person, denn der Mensch ist vollkommen verwundbar, wenn er nackt ist.

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Nachdem der Keller überstanden war kam zuletzt der SM-Raum, in dem auch noch eine Zeremonie stattfand. Im Gegensatz zum Keller war der Raum leider nur spärlich ausgeschmückt. Die Darsteller gaben sich hingegen vollkommen Mühe zu überzeugen. Als man sich wegdrehen sollte und der Reihe nach den Gestalten folgen sollte, geht sofort wieder das Kopfkino los. Nichts ist so unheimlich wie die Ungewissheit (weshalb es vielen Menschen bereits reicht in einen unbekannten Raum zu kommen, der Dunkel ist, um sich zu gruseln). Hier gab es noch einmal einige Eindrücke, leicht bekleidete Darsteller und ein Ritual. Abschließend wurden wir noch einmal mit Messern und einer Kettensäge bedroht, schade, dass es sich dabei lediglich um eine Spielzeugkettensäge handelte. Leider sind wir nicht Handwerker genug um zu wissen ob eine Kettensäge ohne Sägeblatt ungefährlich wäre, doch so etwas hätte uns wahrscheinlich schneller dazu veranlasst den Raum zu verlassen. Der letzte Raum bietet in jedem Fall noch einiges an Potenzial.

Abschließend durften wir das Kabinett bewerten, wir hatten wir Wahl zwischen „creepy“ (unheimlich) „weird“ (seltsam, sonderbar) und „lame“ (lahm, langweilig). Mit „weird“ finden wir lässt sich das Gruselkabinett gut beschreiben. Erstaunt waren wir, dass wir scheinbar fast 40 Minuten unterwegs waren, denn so lang kam es uns gar nicht vor und das spricht für eine kurzweilige Tour. Wer den wahren Nervenkitzel sucht, ist an dieser Stelle vielleicht nicht ganz richtig. Es gab einige Momente zum Erschrecken, das steht außer Frage, auch die Darbietung war spannend zu verfolgen, doch gegruselt haben wir uns nicht durchweg bis in die letzte Zehenspitzen. Dennoch finden wir das Gruselkabinett eine mehr als gelungene Idee, denn vieles hat uns überzeugt, besonders auch die mutigen Kostüme der Darstellerinnen und Darsteller, sowie in großen Teilen die Ausgestaltung der einzelnen Räume. Auch überzeugten die Darstellerinnen und Darsteller selbst durch ihre Leistung. Nur vereinzelt fielen einige aus der Rolle. Allerdings muss man dazu sagen, dass es enorm schwierig ist über einen längeren Zeitraum in solche verrückten Rollen zu bleiben, da solch verrückte Rollen sehr anspruchsvoll sind. Wir würden uns wünschen, dass die Freakademy weiter an dieser Basis arbeitet und feilt und so etwas zu einer Art „Tradition“ an der TAK wird, jedes Jahr mit neuen Darstellern und vielleicht neuen Ideen für Räume. Wenn dann auch noch die Organisation stimmt, kann das Kabinett in den nächsten Jahren sicher noch weitere Besucher anlocken.

Wer sich das Spektakel noch ansehen möchte, hat hierzu noch bis zum 03. November die Chance. Bis dahin wird das „Mind Fuck Maze“ der Freakademy wie sich das Ensemble nennt, jeden Freitag von 21:15 Uhr bis 23.30 Uhr durchgeführt.  Weitere Informationen gibt es auch auf der Facebookseite. Regisseur Nicolas Folz sagte auch, dass man in den nächsten Tagen und Wochen schon weiter an der Darbietung arbeiten will, deshalb sind auch wir nicht abgeneigt das Kabinett noch einmal zu einem der letzten Auftritte aufzusuchen.

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