Maiporträt: Über Freiberufler, Escape Rooms und die Zensur der eigenen Gedanken – Dennis Palmen, Theatermacher und Kulturmanager

(C) Beitragsbild: Holger Girbig
Text: Marius Panitz (marius.panitz@theaterwg.de)

Wenn auf der Familienfeier der Opa den Studenten fragt, was genau er denn da studiert an dieser Uni, die für ihn, der damals nach dem Krieg direkt eine Ausbildung zum Tischler gemacht hat und sowieso kein großes Verständnis von akademischer Bildung hat, nur eine Verlängerung der Schulzeit ist, ja wenn er dann fragt und der Enkel antwortet: „Medien- und Kulturwissenschaften“, dann verdreht der Opa die Augen und sagt: „Junge, mach doch was Vernünftiges!“

Eine solche oder zumindest eine ähnliche Situation aus dem Familien- oder Freundeskreis kann sicherlich jeder Student, der „irgendwas mit Medien“ macht, ganz genau beschreiben. Dass ein solches Studium aber tatsächlich zu einem abwechslungsreichen Leben in der Theaterwelt führen kann, das beweist Dennis Palmen aus Düsseldorf. Wer im dortigen Theatermuseum, im Theater am Schlachthof oder in der Alten Post in Neuss unterwegs ist, wird ihn vielleicht schon einmal getroffen haben. Dennis ist Kulturmanager, Regisseur, Autor, Komponist, organisiert Workshops, gibt sie teilweise auch selber und fährt nebenbei auch total auf Escape Rooms ab, so sehr, dass er mit Freunden und Kollegen sogleich einen eigenen ins Leben gerufen hat. All diese Jobs macht Dennis als so genannter Freelancer, also als Freiberufler. Ein Leben also, in dem man sich von Auftrag zu Auftrag hangelt in der Hoffnung, immer irgendwie über Wasser zu bleiben? Diese Vielseitigkeit ist Grund genug, dass Dennis von uns porträtiert wird, doch fangen wir von vorne an.

Zugegeben, und das sagt auch Dennis selber: Mit einem Studium der Medienkulturwissenschaften alleine ist noch nicht alles erreicht um sich selber ein sicheres Standbein zu geben. „Kultur- und Medienwissenschaften ist ein typischer geisteswissenschaftlicher Studiengang, da wird viel diskutiert, es gibt auch viele philosophische Texte, es bewegt sich alles auf einer geisteswissenschaftlichen Ebene, man wird zwar während des Studiums schon immer mal ein bisschen motiviert, auch Praktika und Praxiserfahrungen in verschiedenen Bereichen zu sammeln und in Blockseminaren haben wir auch im Theater gearbeitet oder Radiobeiträge gemacht, Ausstellungen gemeinsam mit Experten kuratiert, aber man musste sein eigenes Profil selber schärfen.“ Für Dennis war dieses Profil ziemlich schnell auf das Theater zugespitzt. Er machte Praktika an Theatern, arbeitete auch mal an der Kasse und konnte seine Kreativität schnell am Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf, im vom Schauspieler Sven Post geleiteten Jugendclub ausleben. Sein Stundenplan bot ihm die Möglichkeit, sich auch abseits der Universität auszuleben: „Man konnte sich neben dem Studium auch in der Düsseldorfer Kulturlandschaft sehr gut ausbreiten“, erzählt Dennis ein bisschen mit dem Auge zwinkernd. Theater war für Dennis immer eher ein Hobby, denn einen Beruf im kulturellen Bereich, das war ihm zu unsicher. Er hatte Zweifel, dass sich aus Theater- und Kulturprojekten „ein richtiger und stetig brotbringender Job entwickelt.“ Deshalb begann er nach dem Abschluss seines ersten Studiums noch ein Psychologiestudium, die Kulturwelt konnte ja immer noch ein Hobby und ein Nebenjob bleiben, denn langsam brachte die Arbeit in der Kultur ein bisschen Geld ein. „Ich habe für das Kulturamt in Düsseldorf im Team des Projekts Düsseldorf ist ARTig gearbeitet und es kamen geringe Aufwandsentschädigungen rein, noch nichts, um das wirklich als Beruf bezeichnen zu können.“ Die Psychologie als Naturwissenschaft mit all ihren handfesten Fakten waren für Dennis eine willkommene Abwechslung zur Medienkulturwissenschaft mit ihren vielen Diskussionen und philosophischen Exkursen.

Parallel wirkte Dennis auch noch im Jugendclub von Sven Post mit, den es bereits seit 2000 gibt. Das Problem hier allerdings war das Alter: „Irgendwann wurde ich zu alt, eigentlich ist das Förderalter 15 bis 21. Wir kamen uns auch irgendwie schon vor wie die Omas und Opas des Clubs, weil natürlich auch die Jüngeren nachrückten und irgendwann, als wir dann drei oder vier Jahre über dem Maximalalter waren und immer noch spielten, haben wir auch eingesehen, dass wir den jüngeren Leuten die Spielmöglichkeiten nahmen.“

Mit dem Verlassen des Jugendclubs sollte die Theaterarbeit von Dennis und seinen Mitspielern aber erst richtig losgehen: Einige seiner Freunde gingen wirklich an Schauspielschulen und sprachen dort vor, andere wiederum verfolgten Karrieren völlig abseits des Theaters, begannen ein Jura- oder Biologiestudium oder eine Ausbildung. Allerdings wollten alle, zumindest als Hobby, dem Theater noch treu bleiben. Und so gründeten sie im Jahr 2007 das Ensemble Looters, in dem sie ihre Theaterarbeit fortführen konnten und auch sehr schnell an verschiedenen Theatern als Gast geladen wurden, so wie beispielsweise am Neusser Theater am Schlachthof (TaS). Kurz nach diesem Gastauftritt wurde Dennis vom TaS angefragt, ob er denn nicht im Haus ein Kindertheaterstück inszenieren wolle. Das bejahte er und dafür gab es dann auch eine Gage. Schon wieder also eine Aktivität im Bereich Kultur, die Geld einbrachte.

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„Irgendwann hat man sich auch so etabliert, dass man weiß: die Leute, die mich cool finden, finden mich cool und wenn es nicht passt, dann muss man sich nicht großartig für diese verbiegen oder anbiedern. Mit dem Alter wird man auch entspannter.“ (Foto: Merle Forchmann)

Als dann immer mehr Anfragen und Aufträge zum Organisieren aber auch Abhalten von Kulturveranstaltungen und Workshops kamen, musste Dennis seine ursprüngliche Einstellung zum Beruf doch noch einmal überdenken: „Ich musste eine Art Profil-Re-Evaluation machen, denn so langsam aber sicher konnte ich diese Arbeiten nicht mehr nebenbei machen, ich musste mich entscheiden: Will ich jetzt Psychologie machen oder will ich in der Kultur richtig loslegen?“ Die Antwort ist sicherlich mehr als offensichtlich: „Und dann habe ich mich für die Kultur entschieden und gesagt, Psychologie mache ich nebenbei aus Interesse weiter.“

Gerade seine Anfangszeit als Freelancer war schwierig: „Du willst erstmal alles annehmen und alles machen, was die Leute bei dir anfragen, besonders, wenn der Auftraggeber dich noch nicht kennt, willst du dich erst einmal beweisen und vielleicht auch, wenn du noch nicht zu Frieden bist mit dem Angebot und der Bezahlung, nimmst du den Job trotzdem an, einfach, weil du denkst, dass das sonst jemand anderes bekommt.“ Nach einer gewissen Zeit lernte Dennis aber, dass er den Mut haben sollte, auch einmal Aufträge abzulehnen: „Irgendwann hat man sich auch so etabliert, dass man weiß: die Leute, die mich cool finden, finden mich cool und wenn es nicht passt, dann muss man sich nicht großartig für diese verbiegen oder anbiedern. Mit dem Alter wird man auch entspannter.“ Wie so häufig, ist es auch bei Dennis das Vitamin B, das zu den Aufträgen führt. Ohne Beziehungen in der Branche, ist das Durchsetzen und überhaupt erst das Bemerktwerden sehr schwierig: „Mittlerweile habe ich viele Füße in vielen Türen, was mir den Luxus erlaubt, aussuchen zu dürfen, mit wem ich zusammenarbeite. Und das finde ich sehr wichtig. Wenn ich mal das Gefühl habe, dass die Zusammenarbeit oder das Zwischenmenschliche nicht so gut funktioniert hat, weiß ich, dass ich mit diesem Auftraggeber nicht noch einmal zusammenarbeiten muss. Ich muss nicht alles machen.“

Und dennoch hat Dennis Verständnis dafür, wenn Leute bei dem beruflichen Konzept des Freiberuflers die Stirn in besorgte Falten legen: „Als Freelancer musst du planen. Die Verträge, die wir beispielsweise mit dem Kulturamt schlossen, waren einjährig, das war schon einmal gut, dann hat man nämlich ein Jahr Zeit, weiter zu planen. Dennoch kann man Pech haben und das Projekt wird gekickt. Aber wenn du einfach kombinierst und genug Projekte dieser Art hast, weißt du immer, dass du monatlich auf jeden Fall fest ein Einkommen hast, obwohl du nicht fest angestellt bist. Ich weiß dann zumindest ein Jahr im Voraus, was am Start sein wird und was nicht.“ Dennis schiebt nach: „Das hat natürlich auch alles ein bisschen mit Glück zu tun, manchmal muss man auch einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“

Dennis nimmt einen großen Schluck Wasser aus seiner Flasche, ich nutze die Gelegenheit, mich im Raum umzusehen. Wir befinden uns in einem Veranstaltungsraum des Hofgärtnerhauses in Düsseldorf, eben jenem Haus, das seit 1988 das Theatermuseum Düsseldorf beherbergt. Das rosa spätbarocke Gebäude aus dem Jahr 1802, das am Rande einer hübschen Grünanlage hinter dem Großen Haus des Schauspielhauses Düsseldorf am Gustaf Gründgens Platz liegt, steckt für Dennis voller Erinnerungen: „Wir haben hier sehr viel Zeit miteinander verbracht, manchmal bis tief in die Nacht und haben viele Momente erlebt, die wir mit diesem Gebäude verknüpfen.“ Ein bisschen melancholisch schwelgt er bereits in Nostalgie, denn die Stadt Düsseldorf legt dem Theatermuseum ein schweres Schicksal auf. Es steht auf der Roten Liste unter der Kategorie eins, was so viel heißt wie: von Schließung bedroht. Im Jahr 2020 soll es umziehen in ein altes Postgebäude in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Die Instandhaltungskosten sind für die Stadt nicht mehr tragbar. Für Dennis und seine Freunde, aber auch für uns und eigentlich für jeden Kulturfreund, der das Gebäude betreten hat, hat dieser Ort eine sehr hohe Wichtigkeit, aber die Politik entscheidet ja bekanntlich für die gesamte Stadt: „Natürlich wird immer ein bisschen darauf geachtet, welches Ansehen und welches Prestige dieser Ort oder eben dieser Kostenfaktor für Gesamt-Düsseldorf hat.“ Das Theatermuseum als solches wäre für die Stadt dann zwar gerettet, aber das Gleiche wird es nicht mehr sein: „Natürlich ist das eine machbare Lösung, aber das jetzige Gebäude, das Hofgärtnerhaus, ist ein sehr repräsentatives Wahrzeichen, es hat eine bestimmte Ausstrahlung und ein bestimmtes Flair und egal, wo du jetzt hinziehst, das wird in dieser Form nicht mehr da sein.“ Für Dennis, für seine Kollegen, für seine Freunde, aber besonders auch für die Looters, ist das Theatermuseum im Hofgärtnerhaus ein geschichtsträchtiger Ort sowie ein zweites Zuhause. Nicht nur haben sie dort mit ihrem ersten Stück gastiert, auch begann Dennis hier, die Festivalreihe Play It Again zu etablieren und den Jugendclub zu leiten. Dieses großartige Engagement ist nicht zuletzt der Offenheit des Hauses selber geschuldet. Aber dennoch heißt es in knapp drei Jahren dann, dass, so sehr alle Beteiligten auch die Fahnen für das Gebäude hochgehalten haben, die Ära Hofgärtnerhaus geht zu Ende.

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„Natürlich ist das eine machbare Lösung, aber das jetzige Gebäude, das Hofgärtnerhaus, ist ein sehr repräsentatives Wahrzeichen, es hat eine bestimmte Ausstrahlung und ein bestimmtes Flair und egal, wo du jetzt hinziehst, das wird in dieser Form nicht mehr da sein.“

Anstatt allerdings Trübsal zu blasen und wegen einer Entscheidung, die politisch bereits längst in trockenen Tüchern und kaum noch abzuwenden ist den Trauerkloß zu geben, bringt Dennis seine Stehaufmännchen-Mentalität an: „Wir haben uns gedacht, dass wir jetzt noch mal alles mobilisieren und alles, was man hier machen kann gemacht wird. Ob Escape-Room oder Theaterfestivals. Wir wollen zeigen, dass man, auch wenn man nicht die Macht hat, diesem Umstand politisch Einhalt zu gebieten, wenigstens, solange hier noch die Möglichkeit besteht, das Beste aus den Räumlichkeiten herauszuholen und das Museum vielleicht auf die letzten Meter noch bekannter zu machen und die Leute hierher zu locken.“

Mit „wir“ meint Dennis vor allem die Looters, die auch in diesem Text schon mehrfach genannt wurden. Doch um wen genau handelt es sich bei dieser Gruppe? Dass es sich dabei um ein Kollektiv handelt, entstanden aus den „Omas und Opas“ des Jugendclubs am Jungen Schauspielhaus, steht bereits fest. Im Jahr 2007 schlossen sich theaterbegeisterte junge Leute zusammen, die einfach Bock hatten, Theater zu spielen. Dass daraus eine Truppe wird, die im Jahr durchschnittlich sehr erfolgreich drei Theaterstücke produziert und auf die Bühne bringt, wusste sicherlich damals auch noch niemand.

Zuerst bedurfte es eines Proben- und Spielortes, welcher nach einigen E-Mail-Anfragen an unterschiedliche Institute das Theatermuseum wurde. Dann wurde losgelegt. Und zwar mit einem ganz besonderen Spirit, der den Erfolg des Ensembles ausmacht. Dennis versucht die Looters zu charakterisieren: „Ich behaupte mal ganz plump, dass ich bei den Leuten von Looters eine besondere Charaktereigenschaft bemerke, nämlich, dass die nicht lange etwas aus sich herauskitzeln lassen, sondern sofort loslegen wollen.“ Und wie so oft, war eine Ensemblegründung erst einmal gar nicht die Intention, man wollte zuerst nur ein Stück inszenieren. Das hieß „Looters“ (Englisch für Plünderer) und als dieses gut ankam, nahm die Story ihren Lauf: „Man plant ja nicht Jahre im Voraus. Aber dann wollte ich exakt mit dieser Kombination von Leuten noch mal ein Stück machen und habe dann ein zweites Stück geschrieben und ihnen quasi zu Weihnachten geschenkt. Alle waren begeistert und dann war der Name des Ensembles ziemlich schnell klar.“

Die Entwicklung, die die Mitglieder des Ensembles machen, spricht für dessen Qualität, denn einige haben den Pfad der Schauspielerei erfolgreich verfolgt. So spielt beispielsweise Anne-Marie Lux am Nationaltheater in Mannheim, Alexander Wanat ist aktuell am Theater in Aachen engagiert und Marie Jensen ist Schauspielerin am Schauspielhaus in Düsseldorf. Zwar können diese Mitglieder nicht mehr aktiv bei Looters spielen, „aber der Kontakt bleibt auf jeden Fall weiter bestehen.“

Was als kleines Theaterprojekt mit vier Schauspielern, einem Bühnenbildner, einem Techniker und Gründer Dennis selber startete, ist mittlerweile eine feste Institution in der Düsseldorfer und Neusser Kulturlandschaft, aus der im Jahr 2013 sogar ein Verein entstand, man könnte sie fast eine „Marke“ nennen. Dennis erklärt das so: „Der Looters e.V. ist ein Dach, unter dem viele unterschiedliche Dinge entstehen können. Die Mitglieder können Ideen ausleben, einen Film drehen, ein Tanzstück machen, ein Musical inszenieren. In diesem Netzwerk gibt es mittlerweile sehr viele coole Leute. Da kann die eine helfen, wenn man Fotos für Postkarten braucht oder Videos drehen oder Musik komponieren. Es gibt so viele Leute die, wenn sie auch nicht ausgebildet sind, trotzdem Bock haben, ihre ganzen Ferien oder Semesterferien dafür aufzubringen und bereit sind, sich an unseren Projekten zu beteiligen. Es soll Sinn und Zweck dieser Gemeinschaft sein, dass jeder mit den verfügbaren Ressourcen seine Ideen umsetzen kann und dabei auch Hilfe von den anderen bekommt.“

Halt die Schnauze, du wirst niemals eine Meerjungfrau sein 2014
„Es gibt so viele Leute die, wenn sie auch nicht ausgebildet sind, trotzdem Bock haben, ihre ganzen Ferien oder Semesterferien dafür aufzubringen und bereit sind, sich an unseren Projekten zu beteiligen. Es soll Sinn und Zweck dieser Gemeinschaft sein, dass jeder mit den verfügbaren Ressourcen seine Ideen umsetzen kann und dabei auch Hilfe von den anderen bekommt.“ (Foto: Thomas Stapelfeldt, Vergangene Looters Produktion: „Halt die Schnauze, du wirst niemals eine Meerjungfrau sein„)

Für gewöhnlich schreibt Dennis die Stücke für die Looters selber. Natürlich ist er da nicht der Regie-Diktator, der seine Ideen durchboxt. Wie bei jedem guten Probenprozess, passt sich der von ihm gebrachte Stückvorschlag während der Proben noch an. Hin und wieder gibt es dann Produktionen, die etwas herausstechen: „Eine Freundin von uns, die Choreografin ist, hat einmal ein Tanzstück umgesetzt. Eine andere Bekannte hat zusammen mit mir ein Musical geschrieben und ein weiterer Freund hat dazu die Musik komponiert.“ Bei dieser kreativen Vielseitigkeit, immerhin haben Looters seit ihrer Gründung bereits fast dreißig Stücke auf die Bühne gebracht, kommt es Dennis besonders auf eine Sache an: „Diese Energie, das einfach zu machen ohne fünf Monate darüber nachzudenken oder lange zu diskutieren fördert natürlich diese Produktivität. Ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass das ein Ausgleich ist, dass man sagt: Ich brauche das. Daher kommt auch die Energie, dass man immer wieder ein Stück machen möchte.“

Für die Zukunft hat sich Dennis, der ein Liebhaber guter Escape Rooms ist, mit der Gruppe etwas Besonderes ausgedacht: Nachdem er zusammen mit der Geschäftsführerin des TaS in ebenjenem Theater im kleinen Foyer einen Escape Room entwickelt und von April bis Dezember 2017 umgesetzt hat, will er diese Idee nun etwas größer aufziehen. Der Escape Room im TaS war für ein Anfangsprojekt gut besucht, aber logistisch nicht das Wahre: „Wir ließen das ja im Foyer des Theaters spielen, der Raum musste immer wieder auf- und abgebaut werden. Das wurde irgendwann nervig.“ Seine neue Idee: Ein Escape Room im Theatermuseum. Das Museum stellt den Looters einen Raum zur Verfügung, keine lästigen Auf- und Abbauten mehr. Die einzige Prämisse: Es muss etwas mit Theater zu tun zu haben. Dies – da sind sich alle sicher – sollte das geringste Problem für die Looters sein. Auf der Infoseite zum Escape Room heißt es: „In einem angesehenen Theater wurden Spione eingeschleust, um einen dubiosen Künstler zu überführen. Doch dann ist der Kontakt zu den Agenten plötzlich abgebrochen… Hier kommen die Spieler zum Einsatz! Sie müssen das fiktive Theater durchsuchen, Hinweise finden und die Indizien miteinander kombinieren.“ Die Prämisse scheint erfüllt. Vermutlich können die Looters stolz behaupten, den ersten Escape Room in einem Kulturinstitut installiert zu haben. Wer Interesse hat: Der Escape Room soll noch bis zum Ende des Jahres bestehen bleiben, weitere Infos gibt es ebenfalls auf der oben genannten Internetseite.

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„In einem angesehenen Theater wurden Spione eingeschleust, um einen dubiosen Künstler zu überführen. Doch dann ist der Kontakt zu den Agenten plötzlich abgebrochen… Hier kommen die Spieler zum Einsatz!“ (Foto: Leo Kammer, Aktueller Escape Room von Looters)

Und was macht ein so vielseitig beschäftigter Kulturmanager, Autor, Regisseur, Workshopleiter, Komponist, Escape-Room-Spielleiter und Psychologie-Student in seiner Freizeit? Natürlich geht er ins Theater: „Meistens werde ich von Freunden eingeladen, die an den Projekten beteiligt sind. Ich spiele auch gerne Pen-&-Paper-Rollenspiele, natürlich wieder zusammen mit Theaterleuten.“ Und wenn es einfach mal etwas ohne Theater und Projekte und Ideen und Produktion sein soll? Dann verreist Dennis: „Einmal im Monat versuche ich, die Stadt zu verlassen. Einen Städtetrip ins Ausland beispielsweise. Ich reise viel, weil, dadurch, dass man sich mit Kollegen und Theaterfreunden trifft, kommt man nie wirklich von diesem Projekt-Talk weg. Man redet und bekommt dann auch wieder eine Idee und es ist sehr schwer, sich dem zu entziehen, was ja auch cool ist. Aber um Urlaub zu machen, muss ich regelmäßig die Stadt verlassen. Dann denke ich auch nicht ans Theater.

Wenn Dennis zum Schluss den Kreativen da draußen eine Sache mitgeben will, dann ist das seine Einstellung zum kreativen Prozess: „Viele Leute unterdrücken ihre Kreativität, weil sie sie bewusst zurückhalten. Sie schreiben eine Kurzgeschichte und lassen sie unveröffentlicht auf dem Rechner, sie malen Bilder, trauen sich aber nicht, sie anderen zu zeigen, sie singen Lieder, aber nur für sich alleine, weil sie Angst haben, sich falsch zu präsentieren. Dieser Filter, den Leute haben, was ich auch nachvollziehen kann, diese Angst vor negativem Feedback oder Blamage, all das blende ich aus. Das sind dann auch teilweise Ideen, die nicht der Knaller sind, aber das erfährt man dann auch im Laufe des Prozesses und vielleicht bricht man dann zwischendurch mal ab und macht etwas anderes oder ändert etwas ab. Aber wichtig ist, dass man eine Idee nicht beschneidet, solange sie den Mund noch nicht verlassen hat. Dann kann man mir später immer noch den Wind aus den Segeln nehmen.“

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„Wichtig ist, dass man eine Idee nicht beschneidet, solange sie den Mund noch nicht verlassen hat. Dann kann man mir später immer noch den Wind aus den Segeln nehmen.“ (Foto: Venka Koglin, Aktuelle Produktion „Billboard„)

Vermutlich ist es dieser Spirit, der Dennis‘ Arbeit, aber auch die Projekte der Looters sich so erfolgreich entwickeln lässt. Kreative Leute sollen sich nicht selbst zensieren, das machen andere Leute leider schon zu viel. Sobald eine Idee durch das Cerebrum saust, soll sie niedergeschrieben oder ausgesprochen werden. Ein ganz besonderer Geist, der für diese Theatergruppe einmalig ist und auch spürbar in ihrer Arbeit. Leider konnten wir selber bisher nur ein Stück der Gruppe sehen, die Rezension zu All Blood Under The Bridge wurde unsere allererste Stückbesprechung, damals, am 16. März 2015. Wir geloben aber Besserung und haben im Gefühl, dass der Leser dieses Blogs hier bald mehr über die Looters lesen wird.

Wir danken Dennis Palmen für dieses wirklich sehr ausführliche, spannende und vor allem sehr inspirierende Interview und wünschen ihm und den Looters noch viel Erfolg für die Zukunft!

Wenn ihr auch einen coolen Theatermenschen kennt, der hier porträtiert werden sollte, zögert nicht, uns anzuschreiben: kontakt@theaterwg.de

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