Wichtige Werte, vermittelt von einer Hexe – Preußlers „Die kleine Hexe“ inszeniert von der Burghofbühne Dinslaken

Text: Werner Alderath (werner.alderath@theaterwg.de)
Beitragsbild: Martin Büttner

Die Burghofbühne Dinslaken ist bisher noch nicht so auf unserem Radar gewesen, doch seit unserem Treffen mit Marie Förster verfolgen wir auch hier gespannt, welche Stücke auf dem Spielplan stehen. Der erste Besuch führte uns zu einem Gastspiel in Tönisvorst, wo Die kleine Hexe vom Kinderbuchautor Otfried Preußler (erstmals 1957 erschienen) inszeniert wurde. Ein Theaterstück für Kinder ab vier Jahren, entsprechend gering war der Altersdurchschnitt dieses Mal im Saal. Umso gespannter waren wir einerseits auf das Stück, andererseits aber auch, ob es dem Ensemble gelingen wird, die kleinen Rabauken in den Griff zu bekommen.

Die kleine Hexe (Julia Sylvester) ist 127 Jahre alt, für Hexen ein noch sehr junges Alter, und möchte endlich mit den Großen die Walpurgisnacht feiern. Doch, obwohl die kleine Hexe wegen ihres jungen Alters, noch keine Einladung erhalten hat, fliegt sie dennoch zum Blocksberg, um mit den anderen zu feiern. Ihr treuer Begleiter und Ratgeber, der Rabe Abraxas (Laura Götz) hält dies für keine gute Idee und so soll dieser Ausflug auch in einem Desaster enden. Die kleine Hexe wird von den anderen Hexen ertappt und muss der Oberhexe (Malte Sachtleben) Rede und Antwort stehen. Und gerade als es danach aussieht, dass die kleine Hexe mit einem blauen Auge davon kommt regt die gemeine Wetterhexe Muhme Rumpumpel (Marie Förster) an, die kleine Hexe zu bestrafen. Gesagt, getan, ihr Besen wird eingesammelt und verbrannt. Dennoch soll die kleine Hexe eine zweite Chance erhalten und ein Jahr später wiederkommen, um ihre Prüfung abzulegen, doch dafür muss sie noch viel lernen. Und so begeben sich Abraxas und die kleine Hexe auf eine lange Reise, auf der sie verschiedenen Bewohnern immer wieder (mit Hexerei) aus der Klemme helfen. So kann die kleine Hexe ihre Zauberkünste verbessern und dabei auch noch etwas Gutes tun. Ein Jahr später kehrt die kleine Hexe dann zurück und stellt sich den Aufgaben der Knusperhexe (Julia Kempf), der Kräuterhexe (Philip Pelzer), der Wetterhexe und der Oberhexe. Diese meistert sie mit Bravur, doch die Wetterhexe hat beobachtet, dass die kleine Hexe ihre Identität preisgegeben hat und Menschen geholfen hat. Kurz vor dem Ausschluss als Hexe, nutzt die kleine Hexe ihre gewonnene Zauberkraft um allen anderen Hexen von ihren Zauberkräften zu befreien.

Eine schöne Geschichte, die uns als Zuschauer aber auch Vieles lehrt: es geht um Freundschaft, Hilfe, darum, Gutes zu tun und Verantwortung zu übernehmen. Es geht allerdings auch darum, sich auf eine Prüfung vorzubereiten, mit allen Tücken. Übertragen auf die Realität würde sich sicherlich so mancher (erwachsener) Schüler und Student darin wiedererkennen, wenn man es erst einmal gemütlich angehen lässt, um dann doch schnell den Stoff für die Klausur zu lernen. Diese Botschaften werden auch ganz herrlich von den Darstellern vermittelt. Ihr großes Spiel und einige Wiederholungen, bzw. sich wiederholende Elemente, sorgen dafür, dass es im Saal, trotz vieler kleiner Kinder, ruhig ist und die Kleinsten der Darbietung lauschen.

böse Hexen low
Foto: Martin Büttner, aus „Die kleine Hexe“, Burghofbühne Dinslaken

Besonders harmonisch ist das Zusammenspiel zwischen Julia Sylvester und Laura Götz. Die beiden überzeugen durch ihre Art und Interpretation der beiden Rollen. Schön zu beobachten waren die vogelähnlichen Bewegungen, die Laura Götz als Rabe immer wieder gemacht hat (leichte Kopfbewegung nach vorn, die Beine immer stark angehoben oder beim Gehen wie ein Vogel hopsen). Auch Malte Sachtleben, der neben der Oberhexe auch noch in zwei weitere Rollen schlüpft, überzeugt durch sein überzogenes, aber präzises Spiel. Marie Förster, die gleich fünf Rollen in dieser Inszenierung spielt, zeigt wie wandelbar sie ist, egal ob die gemeine Hexe, der Bürgermeister eines Dorfes oder die ältere Dame, die im Wald Holz sammelt, jede Rolle meistert sie mit Bravur. Dabei hilft es auch, dass sie die Körperlichkeiten und Ticks der jeweiligen Personen annimmt, unser Favorit war der Bürgermeister, der nur zum Händeschütteln und für die Presse vor Ort ist und scheinbar von nichts eine Ahnung hat, solche Bürgermeister soll es ja auch im echten Leben reichlich geben. Auch Philip Pelzer zeigt sich uns als sehr wandelbar, doch besonders gut hat uns seine Rolle als Kräuterhexe gefallen, in einem Kostüm, das schriller kaum sein konnte. Und trotz der lustigen Aufmachung, konnte er die Kleinen, aber auch uns Große mit seinem Spiel überzeugen und unterhalten. Julia Kempf, die auch in der Rolle der Knusperhexe zu sehen war, überzeugte uns jedoch noch mehr in der Rolle der Lotta (einem Dorfmädchen), denn als bodenständiges Mädchen nahm man ihr sofort die Ambitionen ab, den eigens gezüchteten Ochsen vor den bösen Schützen retten zu wollen, die ein Wettschießen um den Ochsen veranstaltet haben, um anschließend aus ihm einen Braten zu machen.

Das Bühnenbild hingegen war eher schlicht gehalten. Zu Beginn sah man ein kleines Haus und einige Bäume. Alles in 2D, zum Teil sah es aus als wäre die Umgebung aus verschiedenen Flicken zusammengebastelt. Das Bühnenbild erfüllte seinen Zweck und schaffte den Rahmen der Umgebung. Ein Drehelement in der Mitte ermöglichte es, einen Teil des Bühnenbildes wegzudrehen. Während im Vordergrund mit einem Bild gespielt wurde, konnte so im Hintergrund ein neues Bühnenbild gesteckt werden, sodass bei der nächsten Drehung nicht das Hexenhaus der kleinen Hexe, sondern etwas anderes zu sehen war. Eine schöne Lösung.

Im Laufe der Inszenierung gab es auch immer wieder Musik und Gesang, der eigentlich zum Mitmachen animierte. Eigentlich, denn die Kinder im Saal waren eher zurückhaltend. Generell bemerkte man nach ca. 25 Minuten eine zunehmende Unruhe im Saal. Mit knapp 70 Minuten und einer Pause ist es ein längerer Nachmittag, den die Kinder mit ihren Eltern, Geschwistern, Omas und Opas vor Ort verlebten. Vielleicht ein kleines bisschen zu lang, was wir sehr schade finden, denn als Erwachsene konnten wir den Nachmittag mal wieder aus Kinderaugen betrachten und uns ein bisschen fallen lassen. Die Musik wirkte stimmig und zum Ende der Aufführung klatschten dann doch alle mit und das Ensemble konnte die kleinen Unruhen wieder in den Griff bekommen. Sicherlich nicht einfach, aber für die Beteiligten eine direkte Rückmeldung, denn kein Publikum ist ehrlicher als Kinder.

Wir haben am Ende keine Minute bereut, dass wir den Weg auf uns genommen haben um dieses Stück zu sehen. Auch wenn es kleinere Murmelphasen im jungen Publikum gab, ein Großteil der Kinder war sehr aufmerksam und selbst von den Erwachsenen hörte man im Anschluss, dass es ihnen genauso gefallen habe. Neben dem tollen Schauspiel und den Bildern und der Musik, die man zu sehen und zu hören bekam, wurden auch wieder viele Werte vermittelt, die am Ende nicht nur für Kinder wichtig sind, sondern auch uns Erwachsene daran erinnern sollen, was im Leben wichtig ist und wie man einander begegnen sollte. Wir können das Stück in jedem Fall empfehlen. Generell bietet die Burghofbühne Dinslaken ein breites Spektrum an Kinder- und Jugendtheater an. Alle Infos, Termine und Tickets gibt es auf der Homepage der Burghofbühne Dinslaken.

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