Shrek für Groß und Klein – Feuerwerk für die Lachmuskeln in Tecklenburg

Beitragsbild: André Havergo

Sommer in Tecklenburg, sollte man meinen. Das mit Tecklenburg stimmt, doch irgendwie fehlt der Sommer, im Gegenteil es ist frisch und es schüttet wie aus Eimern. Was das mit Shrek zu tun hat? Wir haben uns nach einem begeisterten Besuch 2016 auch 2017 wieder auf zur Freilichtbühne Tecklenburg gemacht um uns von der Bühne und den Darstellern verzaubern zu lassen. Dabei stand auch Shrek auf dem Spielplan.

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Bild: Holger Bulk

Die Story um Shrek ist wohl den meisten bekannt, deshalb die Kurzversion: Shrek ist ein Oger, der eines Tages in seinem Sumpf von diversen Märchengestalten überrascht wird. Lord Farquaard hat diese in seinen Sumpf verbannt. Das stinkt Shrek und er will seinen Sumpf zurück. Einzige Lösung: er soll mit dem Lord reden. Der bietet ihm an, dass er sein Land überschrieben bekommt, wenn er ihm einen Gefallen tut: er soll die hübsche Prinzessin Fiona aus den Klauen eines Drachen befreien. Farquaard will sie heiraten und so zum König werden. Shrek zieht los und lernt dabei einen, nein, DEN Esel kennen, der sich nicht vor ihm fürchtet. Die Prinzessin wird befreit und man verliebt sich ineinander. Doch Fiona hat ein Geheimnis: nachts wird auch sie zum Oger. Und die beiden verlieben sich ineinander, jedoch ohne das Shrek von dem Geheimnis weiß. Als Lord Farquaard gerade Fiona heiraten will und Shrek das Land überschrieben hat, verweigert dieser die Hochzeit der beiden. Fiona und Shrek gestehen sich ihre Liebe, der Fluch auf Fiona wird gebrochen und sie wird dauerhaft zum Oger. Die Hochzeitsglocken erklingen. Ende.

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Bild: Heiner Schäffer

Eine turbulente und unterhaltsame Geschichte, die seit der Kinopremiere 2001 hunderttausende Menschen im Kino und Fernsehen verfolgt haben. Doch ein Musical? Zugegeben: wir haben uns auf einen netten Abend eingestellt, ein bisschen was zum Lachen, ein bisschen was Lockeres. Beides gab es, allerdings mehr als wir uns dachten und die Inszenierung hat uns zum Schluss nicht mehr auf den Bänken sitzen lassen. Standing Ovations. Zurecht! Die Inszenierung, aber auch das Ensemble überzeugten und das bei nicht immer einfachen Bedingungen, denn nach der zweiten Pause goss es wie aus Eimern. Wenn man bedenkt, dass am nächsten Tag bei Rebecca viele Darsteller wieder auf der Bühne standen, hätte wohl jeder abgebrochen, doch das Ensemble zog das Ding durch, sehr zur Freude des Publikums. Da ziehen wir unseren Hut und sagen einfach nur: Danke und Respekt!

SHREK - Das Musical - Tecklenburg
Bild: André Havergo

In den Hauptrollen: Tetje Mierendorf als Shrek. Einige werden sich eventuell an ihn aus Sendungen wie „Schillerstraße“, „Freischnauze XXL“ oder sogar noch „Mein großer, peinlicher, dicker Verlobter“ erinnern (sicher hat er noch mehr gemacht, aber das waren die Sendungen in denen er uns sehr prägte). Obwohl Tetje Mierendorf einiges an Gewicht gelassen hat, geht er in der Rolle des tollkühnen und kräftigen Helden in Form eines Ogers, auf. Seine Spielfreude ist ansteckend. Dass er noch immer die Kunst der Improvisation beherrscht zeigt sich als aus dem Off verkündet wird, dass die Vorstellung wegen des Regens kurz unterbrochen wird. Schon von der vorherigen Szene geknickt schaut er traurig ins Publikum, seufzt schwer und zieht bedröppelt von der Bühne. Das entlockt auch dem letzten aus dem Publikum ein mitleidiges „Ohhhh“.

Roberta Valentini spielte die Rolle der Fiona. Schon im Vorjahr begeisterte sie uns als Morgana (übrigens ihr Debüt bei den Freilichtspielen Tecklenburg). Und schon ihr erster Auftritt im Musical ist laut und schrill, als sie „Fiona – das Musical“ zu verkünden versucht. Roberta Valentini ist als Fiona schrill, laut, manchmal etwas zickig oder dominant, aber auch gefühlvoll. Ein Regenbogen der Gefühle, der den Zuschauer auch in dieser Rolle voll in seinen Bann reißt.

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Bild: Heiner Schäffer

Auch Thomas Hohler als Esel ist ein Wiederholungstäter aus dem Vorjahr. In der Rolle des Esels ging er voll auf. Etwas treudoof wurde er schnell zu Shreks Freund, trumpfte mit naiven Kommentaren, aber auch mit einigen Gesangseinlagen auf. Schnell wurde er zum heimlichen Publikumsliebling.

Für uns neu war Robert Meyer in der Rolle als Lord Farquaard, die uns fertigmachte (positiv!). Minutenlang kamen wir nicht aus dem Lachen raus, weil es herrlich anzusehen war, wie er Lord Farquaard, einen kleinwüchsigen Lord, spielte. Da geht sicherlich einiges an Pflegemitteln für die geschundenen Knie drauf, denn trotz des Spiels auf Knien hat er sich fast durchgehend schnell und dynamisch über die Bühne bewegt. Einige Hilfsmittel, wie ein Kickroller oder die Untertanen kamen auch zum Einsatz, was das Schauspiel in seiner Herrlichkeit noch weiter unterstrich. Auch Shrek und der Esel machen den kleinen Mann in einer Szene noch kleiner als er sowieso ist, als sie beispielsweise meinten, dass Fiona nicht zu viel von ihm erwarten solle, sie müsse ihre Ansprüche runterschrauben. Nur einer von vielen Sprüchen an dieser Stelle.

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Bild: Holger Bulk

Obwohl wir einige Mitglieder des Ensembles hervorheben, wollen wir dennoch betonen: jedes weitere Mitglied des Ensembles hätte es verdient erwähnt zu werden, doch auf jeden einzeln einzugehen würde wohl den Rahmen sprengen. Deshalb verweisen wir gerne auf die Besetzung von Shrek mit all den tollen Darstellern.

Doch was machte das Musical an diesem Abend zu einem solchen Erfolg? Zunächst waren es die vielen lustigen Elemente. Shrek ist per se eine Parodie auf die klassischen Märchen doch das Team um Regisseur Ulrich Wiggers hat es sich nicht nehmen lassen noch ein paar aktuelle Parodien einzubauen. So ließ sich Lord Farquaard in einer Szene von seinen Soldaten hochheben und bekam einen Hexenbesen in die Hand gedrückt, der Kenner erkannte hierin die Anlehnung an Wicked. Auch als Lord Farquaard zu seinen Untergebenen spricht wird der Revolutionsgruß aus den Tributen von Panem eingebaut. Die sieben Zwerge bekommen noch ihr Fett weg, genau wie Donald Trump als Shrek und der Esel im Sumpf von Shrek eine Mauer bauen wollen, weil sie sich gestritten haben und Shrek nur zurückblöckt er lasse eine Mauer errichten, die er den Esel auch noch bezahlen lasse. Herrlich, wie sogar ein vermeintliches Kinder-/ Familienmusical einen leicht ernsten Touch mit zwinkerndem Auge bekommen kann.

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Bild: Heiner Schäffer

Verwundert waren wir auch als am Anfang gut 20 Personen als Märchenfiguren aus einem sehr, sehr kleinen Pferdewagen stiegen. Am nächsten Tag hatten wir das Glück uns den Wagen aus nächster Nähe ansehen zu können, mit viel Liebe hätten wir dort drinnen acht bis zehn Personen vermutet, aber so viele!? Respekt an die Schauspieler, da muss man biegsam sein. Gerne freuen wir uns über ein Foto, wie es im Inneren dieses Wagens ausgesehen haben muss 🙂

Aber auch kleine und kurze Elemente gaben dem Stück seinen Reiz. So sah Shrek einen seiner Ansicht nach leckeren Hasen. Was wir selbst aus der zweiten Reihe nicht sahen: links auf der Bühne hatte sich ein kleiner Junge mit Hasenkostüm positioniert. Als dieser aufsprang und schreiend weglief konnten wir uns ein Lachen nicht verkneifen. Außerdem fragten wir uns wie wohl der Drache dargestellt wird. Sie (der Drache ist immerhin weiblich!) zu personifizieren, in Form von Jennifer Kohl als Darstellerin, und einige typische Elemente, wie einen großen Thron in Drachenform, Nebelmaschinen aber auch Feuerspeier zu verwenden um den Drachen anzudeuten haben an dieser Stelle vollkommen ausgereicht und dennoch sehr zur Unterhaltung beigetragen. Jennifer Kohl hat durch ihr Schauspiel natürlich das Ihrige dazugetan um die Rolle voll mit Leben zu füllen.

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Bild: Heiner Schäffer

Zuletzt trugen auch die Größe der Bühne, die Lichttechnik und natürlich das Orchester unter der Leitung von Giorgio Radoja zu einem gelungenen Abend bei. Nach Einbruch der Dunkelheit wirkte alles wieder als gehöre es genau auf diese Bühne. Dass die Schauspieler und zum Teil auch der Maestro zum Schluss bis auf die Knochen nass waren tat dem ganzen keinen Abbruch. Es wirkte fast als seien alle noch mehr angespornt das Ding jetzt erst Recht durchzuziehen. Wo unsereins als Amateur die Dialoge runtergesprochen hätte um schnell ins Trockene zu kommen bewahrten alle ihre Ruhe und Professionalität und spielten Szene um Szene voll aus, ganz nach dem Motto: der Zuschauer hat die volle Show bezahlt, er soll die volle Show bekommen!

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Bild: Holger Bulk

Zum Schluss – und nach langen, stehenden Ovationen – verließen wir mehr als positiv überrascht die Örtlichkeiten. Shrek das Familienmusical? Sicherlich, aber auch ein tolles Erlebnis für jeden Erwachsenen ohne Kinder. Wer sich zudem noch etwas in der Film- und Musicalwelt und im politischen Geschehen auskennt wird die spitzen Bemerkungen zwischen den Zeilen genießen. Ein rundum gelungener Abend trotz Regen. Erneut können wir eine klare Hingehempfehlung aussprechen. Wer noch einen kleinen Wochenendtrip plant und zudem Musical begeistert ist, wird in Tecklenburg und bei Shrek auf seine Kosten kommen. Alle weiteren Infos zum Stück, sowie zu den anderen Stücken, Tickets, Preisen etc. lassen sich auf der Seite der Freilichtspiele Tecklenburg finden.

Für uns steht fest: Tecklenburg, wir kommen sicherlich 2018 wieder!

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