Tränen auf dem Bauernhof gelacht – „Do laachs du dich kapott“ im Scala-Theater Köln

Text: Werner Alderath (werner.alderath@theaterwg.de)
Beitragsbild: Thomas Schmidt

Wat hammer jelaach! Ein Urteil, das wir einfach stehen lassen wollen. Das Scala-Theater Köln versteht es von vorne bis hinten die Zuschauer zu unterhalten, ihnen mit kölschen Liedern, einem heillosen Durcheinander, gepfefferten Anekdoten und viel Herz einen kurzweiligen Abend zu beschaffen. Schon die Beschreibung der selbstgeschriebenen Story verspricht viel Chaos und gute Stimmung:

Auf dem Bauenhof von Griet Kleinapfel in Kimmenich scheint die Welt in Ordnung zu sein. Allerdings nur solange, bis sich einige Campinggäste bei ihr einnisten, die scheinbar etwas zu verbergen haben. Frau De Halsnitvoll und der Anwalt Jan vom Pferd wollen Griet Kleinapfel den Bauernhof streitig machen, denn sie hat sich an einige Vorgaben zu halten. Als dann noch die Tochter Mariechen schwanger auf dem Bauernhof aufläuft, obwohl Griet sie in einem Kloster wähnt, wird das Chaos perfekt. Ein unterhaltsames Versteckspiel mit vielen Verwechslungen beginnt. Und auch die Tiere des Hofs sollen zu Wort kommen und sich um den schwulen Geißbock kümmern. Am Ende soll sich dann doch alles zum Guten wenden, ganz getreu dem kölschen Motto: et hät noch immer jot jejange.

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Bild: Thomas Schmidt

 

Nein, im Scala-Theater achten wir nicht darauf, wie dicht die Story ist, welche ausgefeilten Techniken zum Einsatz kommen, ob die Schauspieler sich in ihre Rollen eingefühlt haben oder ob man verschiedene Theatertechniken anwendet, um die Botschaft des Stücks zu transportieren. Hier steht vollkommen der Spaß im Vordergrund. Allerdings bedeutet das nicht, dass auf der Bühne nur Klamauk veranstaltet wird und die Darsteller ihre Rollen nur halbherzig spielen, ganz im Gegenteil: Der Zuschauer bekommt vollen Einsatz zu sehen, denn erst durch Übertreibungen, Gesang und Tanz bekommt das Stück den Charme, der Jahr für Jahr für einen gefüllten Saal sorgt.

Schon in unserem Gespräch mit Arne Hoffmann wurde klar: es braucht Herz und Überzeugung für die Sache. Beides haben wir an dem Abend von den Darstellern gesehen. Leider fallen in dieser Produktion gesundheitsbedingt immer wieder Darsteller aus, das scheint einigen Zuschauern übel aufzustoßen, denn sie vermissen Charaktere wie Sophie Russel oder die beiden Geschäftsführer Arne Hoffmann und Ralf Borgartz auf der Bühne, wie wir im Vorfeld hören durften. Doch hier können wir nur unterstreichen, was wir bereits in unserem Gespräch mit Arne hervorgehoben haben: Es handelt sich nicht um eine Zweit-, sondern um eine Alternativbesetzung. Und so können wir nur unseren Hut ziehen vor dem gesamten Team, das an dem Abend die Vorstellung gestemmt hat!

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Bild: Thomas Schmidt

Besonders begeistert hat uns Barabara Nöske, die als Griet Kleinapfel jede Pointe zielsicher platziert hat und die man einfach nur ins Herz schließen konnte. Auch Hilde Schmitz (als Frau Ärmsau), die als älteste Darstellerin immer noch die Spielfreude und das Feuer einer 20-jährigen hat, hat an diesem Abend wieder gezeigt, dass das Alter auf der Bühne keine Rolle spielt. Elke Schlimbach hat uns als Zuschauer wieder mit ihren Gesangseinlagen, aber auch mit ihrem herrlich komischen Spiel überzeugt. Als Frau De Halsnitvoll versuchte sie undercover Informationen über die Lage am Hof rauszubekommen und suchte förmlich nach einem Fettnäpfchen, trat dabei aber selbst öfters mal in eines. Sylvia Bartusek zeigte uns als Fräulein Kneifer ihre bürokratische Seite, doch als Schwein sorgte sie für urkomische Momente, wenn sie mit dem kleinen Schwänzchen wedelte, begeisterte aber auch mit ihren Tanzeinlagen. Svenja Schulte zeigte uns als Mariechen ihre leicht naive (und dadurch sehr unterhaltsame) Seite, legte als flotte Biene aber auch den ein oder anderen Tanz hin, der für viel Applaus sorgte. Auf der Herrenseite kommen wir nicht drumherum Malte Fuhrer hervorzuheben, der uns als Jan vom Pferd und als schwulen Hahn eine tolle Vorstellung gab, dabei ließ er sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn es dann doch mal etwas schneller gehen musste. Mit Spontanität und Improvisation (gemeinsam mit Elke Schlimbach) rettete er eine Situation souverän und sorgte dabei noch für mächtig Spaß. Als Peter Zollstock, vor allem aber als schwuler Geißbock Hennes überzeugte uns Maximilian Wieler an diesem Abend und sorgte dafür, dass man ihn als Zuschauer einfach nur gern haben konnte. Abgerundet wurde das Ensemble von Lucas Theisen, der als Opa Napoleon, Max, den gutaussehenden Praktikanten und als Katze auf dem Bauernhof keine Chance ausließ jede Situation für ein Feuerwerk zu nutzen. In seinen menschlichen Rollen überzeugte er durch viel Spielfreude und als Katze überraschte er uns mit seiner Beweglichkeit, denn ein Bein im 90° Winkel zu heben war für Lucas Theisen gar kein Problem.

Eigentlich könnten wir noch ausschweifender werden und von jedem schwärmen, denn was man als Zuschauer zu sehen bekam war eine tolle Ensemble-Leistung. Zu keiner Sekunde wirkte es als würde jemand auf der Bühne stehen, der dort nicht hingehört. Situationen wurden genommen wie sie kamen und damit wurde gespielt. Und selbst wenn einige Gags nach Skript beabsichtigt waren, wirkte die Inszenierung an sich erneut locker und frei.

Zur Inszenierung beigetragen haben natürlich auch die tollen Kostüme, speziell die der Tiere, die mit viel Liebe zum Detail eingesetzt wurden. Und obwohl das Bühnenbild des Bauernhofs (in dessen Zentrum übrigens ein Plumpsklo stand!) zunächst etwas drückend wirkte, gelang es den Darstellern mit ihrem Spiel, auch über verschiedene Ebenen, nie den Eindruck entstehen zu lassen, dass man sich gegenseitig auf den Füßen steht.

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Bild: Thomas Schmidt

Die Inszenierungen im Scala Theater sind sicherlich nicht Jedermanns Geschmack, muss es auch gar nicht (allein schon, weil man die kölsche Sproch verstehen muss!). Im Vorfeld hörten wir auch viele kritische Stimmen: Besetzung stimmt nicht, zu viel Gesang, zu wenig Dynamik, deutlich schlechter als sonst. Wir haben in den letzten Jahren schon einige Stücke gesehen und können aus unserer Perspektive nicht sagen, dass sich hier etwas verschlechtert hätte. Es war ein kurzweiliger Abend mit viel Spaß und an dem man einfach den Alltag vergessen konnte. Deshalb können wir einen Besuch von Do laachs du dich kapott nur empfehlen. Das Stück ist zwar schon ausverkauft, doch am 25sten eines Monats gibt es ab 14:00 Uhr immer noch Restkarten an der Theaterkasse vor Ort. Wer sich in den sozialen Medien rumtreibt, sollte auch der Seite vom Scala folgen, da darüber manchmal auch Hinweise geteilt werden, wer Karten abzugeben hat.

Und während die aktuelle Produktion schon läuft, hat bereits der Vorverkauf für das neue Stück Ne Jrümmel in d’r Trööt begonnen. Wir werden sicher auch bei der neuen Produktion wieder dabei sein und sind gespannt, was sich das Team wieder ausdenkt. Infos zum aktuellen und neuen Stück, Tickets und alles Weitere gibt es in jedem Fall auf der Seite des Scala-Theater.

 

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