Porträtiert: „Das Stück ist der Star“ – Das kölsche Lustspielhaus in Köln, Arne Hoffmann erzählt vom Scala Theater

Text: Werner Alderath (werner.alderath@theaterwg.de)
Beitragsbild: Thomas Schmidt

Das Scala Theater in Köln. Beheimatet in der Nähe des Friesenplatzes, dort wo das Leben in Köln pulsiert und wo abends die Leute auf den Ringen unterwegs sind. Schon fast ein bisschen versteckt liegt das kleine Theater, das früher mal ein Kino war. Doch genau so bunt und schrill wie Köln an vielen Ecken ist, ist auch das Scala Theater mit seinem Programm. Ich habe mich mit Arne Hoffmann, einem der beiden Geschäftsführer des Scala Theaters, auf einen Kaffee getroffen und er erzählte viele spannende Geschichten zum Scala Theater selbst, zur Zeit mit Walter „Wally“ Bockmayer und was die Übernahme des Theaters für ihn und seinen Mann bedeutet.

Wer Arne Hoffmann zuhört, der stellt schnell einiges fest: er versteht das Schauspielgeschäft, sowie die Führung des Theaters, er hat konkrete Ansichten und Ziele und Arne hat viel zu erzählen. Wer ihn schon mal im Scala Theater erleben durfte weiß, dass Arne nicht nur Gas gibt, sondern Vollgas und das ist immer sein Anspruch an das Schauspiel gewesen. Bevor wir in das eigentliche Gespräch einsteigen erzählt er mir noch schnell, dass gerade erst zwei Schauspielerinnen ausgefallen seien, wovon die eine eigentlich die Alternativbesetzung der anderen ist. Nun standen sie plötzlich ganz ohne Besetzung da, die Karten waren verkauft, die Aufführungen standen an. Dann ist kurzer Hand der Co-Regisseur eingesprungen, der auch Teil des Schauspielensembles ist, aber für den Abend als Technik geplant war. „So gesehen hat er uns an dem Wochenende die Aufführungen gerettet“, resümiert Arne schnell und zeigt sich sehr dankbar für diesen Einsatz. Doch genau das macht für ihn die Arbeit am Scala aus: ein gutes Team, das zusammenhält und gemeinsam dem Publikum etwas bieten will.

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Ensemble des Scala Theater (Bild: Thomas Schmidt)

Das Scala Theater wurde 2003 unter der Leitung von Walter Bockmayer eröffnet. Bockmayer, der übrigens auch Hella von Sinnen, Dirk Bach oder Veronica Ferres entdeckt und gefördert hat, hat seine ersten Theaterschritte in der Filmdose (die es noch heute auf der Zülpicher Straße im Kwartier Latäng gibt!) gemacht, welche er damals selbst gründete. Außerdem gründete Bockmayer das Kaiserhoftheater auf den Ringen, das nicht unweit vom Scala Theater beheimatet war. Und genau zu diesem Kaiserhoftheater hat es Arnes Mann, Ralf Borgartz, damals verschlagen.

Arne, gebürtig aus Niedersachsen, hat seinen Mann bereits während seiner Schauspielausbildung in Hamburg kennengelernt. Arne selbst arbeitete bereits als Schauspieler, doch Ralf Borgartz war noch in der Ausbildung. Gegen Ende seiner Ausbildung suchte Borgartz ein Engagement. Damals stieß Arne auf eine Ausschreibung von Walter Bockmayer, in einer Musicalzeitschrift, für das Kaiserhoftheater. Schnell waren die Sachen gepackt, wenn auch die große Verunsicherung vorherrschte: neue Stadt, neue Gesichter und viel Konkurrenz. Doch Ralf setzte sich durch und wurde genommen. Seit 2015 führen die beiden gemeinsam das Scala Theater. Arne hat in seiner Anfangszeit im Scala Theater gekellnert, hat dann einige Spielzeiten selbst auf der Bühne gestanden, bevor es zu einer Unterbrechung kam. Seit ein paar Jahren steht er auch selbst wieder mit auf der Bühne.

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Walter „Wally“ Bockmayer vor dem Scala Theater (Bild: Jo Goertz)

Zum Scala Theater selbst sagt Arne: „Den Stil muss man mögen und wollen.“ Das Scala Theater steht für Spaß, gute Stimmung, Satire, Kölsche Lebenslust und einen feucht-fröhlichen Abend. Das Ensemble arbeitet gerne an und unter der Gürtellinie, dabei ist aber wichtig, dass man nie beleidigend wird, immerhin sollen sowohl Zuschauer als auch das Team Spaß an ihrer Arbeit haben. Dennoch kommt es vor, dass Schauspieler nach einem Casting die Rolle nicht annehmen, weil sie sich mit dem Stil des Hauses nicht anfreunden können. Für Arne ist das völlig in Ordnung.

„Man braucht keine Stars, man braucht Leidenschaft zum Spiel und muss die Menschen erreichen.“, so seine Meinung zur Besetzung des Ensembles. Und auch wenn viele Leute immer wieder fragen warum bestimmte Darsteller an bestimmten Abenden nicht spielen, weil sie so sehr vom Publikum gemocht werden, findet Arne: „Das Stück ist der Star.“ Aus diesem Grund mag er auch das Wort Zweitbesetzung nicht. Im Scala Theater gibt es für ihn lediglich Alternativbesetzungen. „Natürlich spielt die Alternativbesetzung das Stück etwas anders, doch so hat jeder seinen Stil und das ist in Ordnung, denn davon lebt eine Inszenierung auch.“

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„Man braucht keine Stars, man braucht Leidenschaft zum Spiel […]“ (Arne Hoffmann, Bild: Thomas Schmidt)

Damit die Darsteller auch eine direkte Rückmeldung vom Publikum erhalten gibt es eine Art Treppendienst. Was nach einer Strafe klingt soll aber eine Belohnung sein, denn ins Theater selbst führt eine Treppe, auf die sich nach Vorstellungsende immer ein bis zwei Darsteller stellen sollen. Für Arne ist es unabdingbar nicht nur den Applaus, sondern auch in kurzen eins zu eins Gesprächen die Rückmeldung des Publikums aufzunehmen. Natürlich können dabei sowohl Lob als auch Kritik besprochen werden. Beides ist wichtig, denn wenn es eines gibt, das wir aus der Schul- und Jugendtheaterperspektive, aber auch aus Sicht der kleinen und großen Häuser schon erleben durften ist es die Devise, dass ein Stück niemals fertig ist. So ist es auch im Scala Theater. Stetig wird am Stück weitergefeilt.

Besonders interessant ist auch die Entstehung des Stücks. Wie kann man sich als Laie vorstellen, dass ein Stück entsteht, das einen ganzen Abend füllt und dabei auch noch mächtig Stimmung im Saal macht? Unter Walter Bockmayer war es oft so, dass eher ein Fragment entstand. Bockmayer hatte eine Idee, einen Rahmen, den er umsetzen wollte und dann wurde dieser Rahmen mit Ideen gefüllt. Das Stück entstand größten Teils im Probenprozess, was einerseits eine Mitwirkung des Ensembles am Ganzen förderte, allerdings auch so manches Mal dazu führte, dass eine klare Linie fehlte. Heute werden die Stücke von Ralf Borgartz geschrieben. Die Schauspieler bekommen dann ein fertiges Textskript und können ihre Texte lernen. Doch Arne betont, dass dies keineswegs bedeutet, dass am Stück nicht mehr gearbeitet wird, im Gegenteil, manche Situationen entstehen auch erst in den Proben und werden dann übernommen. So soll es mehr Sicherheit auf der Bühne geben, Situationen können entstehen, müssen es aber nicht, da das Skript vorgibt, wie es weiterzugehen hat.

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Ralf Borgartz und Arne Hoffmann vor dem Scala Theater (Bild: Wand, Quelle: Express)

Auch mit den modernen Medien sehen sich die Theatermacher konfrontiert. Die Darbietung im Scala Theater ist analog, keine großen Effekte, Tanz, Musik, Gesang, ein durchgängiges Bühnenbild, schrille Kostüme und eine Menge Humor. Das sind die Einzelteile die zum Erfolg führen. Und trotz Netflix, Amazon Prime und Co., dem Serienboom und immer neueren Entwicklungen in der Unterhaltungsindustrie ist das Scala Theater voll: seit Dezember ist die laufende Produktion ausverkauft (Restkarten gibt es allerdings immer wieder zum Ende eines Monats an der Theaterkasse). „Man muss sich um die Zuschauer kümmern, wenn der Saal voll ist und nicht erst fragen wo die Zuschauer bleiben, wenn der Saal leer ist.“, so Arnes Einstellung. Aus diesem Grund ist es ihm auch wichtig, dass der Zuschauer gerne ins Scala Theater kommt, denn neben guter Presse sind zufriedene Zuschauer die beste Werbung. Und wenn der Saal mal nicht ausverkauft sein sollte, hat jeder Zuschauer eine tolle Show verdient. Auch das ist dem Theaterleiter wichtig: „Es ist doch egal, ob einer, 50 oder 200 Zuschauer im Saal sind, jeder Einzelne bezahlt den vollen Preis und hat die volle Show verdient. Da kann ich es manchmal nicht verstehen, wenn man von Kollegen aus anderen Theatern hört, dass sie keine Lust haben zu spielen oder sich lieber schonen, nur weil das Haus nicht voll ist.“ Eine Einstellung, die wir sehr lobenswert finden und so unterschreiben!

Heute findet eine durchaus spannende Entwicklung statt. Einige Darsteller, die auch schon zu Bockmayer-Zeiten am Scala Theater waren, kommen wieder, andere gehen, weil sie neue Wege beschreiten möchten und ganz neue Gesichter bringen frischen Wind ins Ensemble. Das ist für Arne ein gutes Zeichen, und so blickt er optimistisch in die Zukunft und freut sich auf die jetzige, aber auch auf kommende Produktionen. Auch wir sind gespannt, Ende April werden wir selbst wieder zu Gast im Scala Theater sein und uns die aktuelle Produktion ansehen. Wir freuen uns schon sehr und werden sicherlich darüber berichten.

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Szenenbild aus der neuesten Produktion „Do laachs do dich kapott“, kölsch für: „Da lachst du doch kaputt“ (Ensemble des Scala Theater, Bild: Thomas Schmidt)

Wem wir Lust auf ein bisschen mehr gemacht haben, dem raten wir die Homepage des Scala Theaters zu besuchen. Die neue Produktion wird ab September anlaufen, ab 1. April 2019 wird es dafür Karten geben.

Wenn ihr auch einen coolen Theatermenschen, eine spannende Institution, ein kleines (oder großes) Theater oder etwas Ähnliches, das mit Theater zu tun hat, kennt, über das wir berichten sollten, zögert nicht, uns anzuschreiben: kontakt@theaterwg.de

3 Gedanken zu “Porträtiert: „Das Stück ist der Star“ – Das kölsche Lustspielhaus in Köln, Arne Hoffmann erzählt vom Scala Theater

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